Kategorie: Trader Mindset & Steuern | Lesezeit: 10 Minuten
Es gab eine Zeit, da war Deutschland ein solider Standort für private Börsengeschäfte. Man zahlte seine Abgeltungsteuer, der Broker führte sie ab, und am Ende des Jahres war die Sache erledigt. Doch für uns aktive Futures-Trader endete diese Ära abrupt mit der Einführung der Verlustverrechnungsbeschränkung für Termingeschäfte (§ 20 Abs. 6 Satz 5 EStG).
Als Trader bin ich es gewohnt, Risiken zu managen. Ich berechne meine “Expectancy”, analysiere Order Flow und verwalte mein Kapital mit chirurgischer Präzision. Aber gegen ein mathematisches Todesurteil, das vom eigenen Finanzministerium verhängt wurde, gibt es kein Hedging. Es gibt nur zwei Optionen: Anpassung oder Abwanderung.
Ich habe mich für Letzteres entschieden. Hier ist meine Geschichte, warum ich mein privates Handelskonto in Deutschland schließe, warum selbst die “Rettungsinsel” GmbH keine dauerhafte Lösung ist und warum mein Blick nun fest auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gerichtet ist.
Das mathematische Todesurteil: Die 60.000-Euro-Falle
Für Außenstehende klingt es harmlos: “Verluste aus Termingeschäften dürfen nur noch bis zu 20.000 Euro mit Gewinnen verrechnet werden.” Doch lassen Sie uns ein realistisches Szenario durchrechnen, das zeigt, wie diese Regelung selbst ein solides bürgerliches Einkommen in den finanziellen Ruin verwandelt.
Stellen Sie sich vor, ich handele aktiv den Nasdaq oder DAX Futures. Am Ende des Jahres habe ich durch viele kleine Scalps ein ordentliches Ergebnis erzielt:
- Gewinne aus erfolgreichen Trades: 400.000 Euro
- Verluste aus Fehltrades: 340.000 Euro
- Netto-Handelsgewinn: 60.000 Euro
Ein Gewinn von 60.000 Euro ist ein respektables Jahresgehalt. Davon könnte man Miete zahlen, leben und sogar etwas sparen. In jedem normalen Steuersystem würde ich auf diese 60.000 Euro ca. 25 % Kapitalertragsteuer zahlen (ca. 15.000 Euro). Mir blieben 45.000 Euro netto. Alles wäre gut.
Doch das deutsche Finanzamt rechnet seit der Gesetzesänderung so:
- Steuerpflichtiger Gewinn: 400.000 Euro
- Verrechenbarer Verlust: Gedeckelt auf 20.000 Euro (die restlichen 320.000 Euro Verlust verfallen faktisch im laufenden Jahr).
- Versteuerbares Einkommen: 380.000 Euro.
Der Staat verlangt von mir also Steuern auf 380.000 Euro. Bei ca. 26,375 % (inkl. Soli) ergibt das eine Steuerschuld von rund 100.000 Euro.
Das Ergebnis: Ich habe real 60.000 Euro auf dem Konto, schulde dem Finanzamt aber 100.000 Euro. Statt von meinem Trading zu leben, bin ich privatinsolvent – und das, obwohl ich profitabel gewirtschaftet habe. Mein effektiver Steuersatz liegt bei über 160 %.
In diesem Moment wurde mir klar: Als privater Futures-Trader in Deutschland bin ich “practically locked out”. Mein Geschäft ist illegal geworden – nicht per Gesetz, sondern per Mathematik.

Die Flucht in die GmbH: Ein goldener Käfig?
Wie viele meiner Kollegen flüchtete ich zunächst in die Trading-GmbH. In einer Kapitalgesellschaft greift die Verlustverrechnungsbeschränkung nicht. Hier darf ich Gewinne und Verluste weiterhin unbegrenzt verrechnen und zahle effektiv nur ca. 30 % Unternehmenssteuern.
Auf dem Papier war das Problem gelöst. In der Praxis tauschte ich ein Problem gegen zehn neue:
- Bürokratischer Albtraum: Gründungsnotar, IHK-Zwangsmitgliedschaft, LEI-Nummer, jährliche Bilanzierung. Plötzlich war ich kein Trader mehr, sondern Geschäftsführer und Buchhalter.
- Die Daten-Falle: Als “professioneller Kunde” (durch die GmbH-Struktur) verlangen Börsen wie die CME oder Eurex plötzlich “Professional Data Fees”. Statt 15 Euro im Monat zahlte ich nun weit über 100 Euro monatlich allein für Daten.
- Die Wegzugsbesteuerung: Das war der Moment, in dem ich realisierte, dass die GmbH eine Falle sein kann. Wenn ich Deutschland jemals verlassen will, besteuert der Staat meine GmbH-Anteile fiktiv (“Entstrickung”). Ich sitze fest.
Das Ende der Bevormundung: Freiheit von Willkür und Zensur-Kultur
Doch es sind nicht nur die Zahlen, die mich treiben. Es ist das gesellschaftliche Klima. Die Einführung der Verlustverrechnungsbeschränkung war kein “Versehen”, sondern ein Akt politischer Willkür. Es ist der Versuch einer paternalistischen Politik, Bürger durch steuerliche Strafmaßnahmen zu “erziehen” und ihnen vorzuschreiben, wie sie ihr Kapital zu verwenden haben.
Als Trader strebe ich nach finanzieller Unabhängigkeit. Doch in Deutschland fühlt sich Erfolg zunehmend an wie ein Vergehen, für das man sich rechtfertigen muss. Die schleichende Zensur-Kultur, in der abweichende Meinungen sanktioniert werden und eine Atmosphäre der moralischen Überlegenheit den pragmatischen Diskurs ersetzt, engt die geistige Freiheit ein.
In den VAE erlebe ich das Gegenteil: Eine Regierung, die Wohlstand als Ziel und nicht als Problem sieht. Hier gibt es einen klaren “Deal”: Halte dich an die Gesetze, und der Staat lässt dich in Ruhe wirtschaften. Keine moralischen Belehrungen, keine willkürlichen Gesetzesänderungen über Nacht, die deine Existenzgrundlage bedrohen. Es ist die Freiheit von staatlicher Gängelung, die für einen Unternehmergeist wie Sauerstoff wirkt.
Standortwahl als ultimative Selbstverwirklichung
Trading ist einer der wenigen Berufe, der absolute geografische Freiheit ermöglicht. Warum sollte ich dieses Privileg nicht nutzen? Persönliche Selbstverwirklichung bedeutet für mich, dort zu leben, wo meine Werte respektiert werden. Ich möchte nicht mehr der “Melkuh” spielen, die zwar zahlen darf, aber deren Lebensmodell politisch unerwünscht ist.
In Dubai treffe ich auf eine Community von Gleichgesinnten – Menschen, die Risiken eingehen, Unternehmen aufbauen und Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen. Diese Energie ist ansteckend. Die freie Standortwahl ist der ultimative Hebel: Ich wähle das System, das mich als Partner behandelt, nicht als Untertan.
Sicherheit als Luxusgut: Ein unterschätzter Faktor (Update 2025)
Neben der Freiheit gibt es einen Faktor, über den in Deutschland oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird: Öffentliche Sicherheit. Als erfolgreicher Trader möchte man seinen Wohlstand nicht verstecken müssen. Doch im Jahr 2025 hat sich das Sicherheitsgefühl in vielen deutschen Großstädten spürbar verändert. Steigende Kriminalitätsraten und eine zunehmende Verrohung im öffentlichen Raum lassen mich zweimal überlegen, ob ich meine Uhr offen trage oder abends allein durch die Innenstadt laufe.

Der Kontrast zu den VAE könnte nicht schärfer sein. Laut dem Numbeo Safety Index 2025 belegen Abu Dhabi und Dubai erneut Spitzenplätze als sicherste Städte der Welt. Kriminalität ist dank strikter Überwachung faktisch nicht existent. Für mich bedeutet Lebensqualität heute auch, nachts um 3 Uhr sorgenfrei mit dem Laptop oder Bargeld in der Tasche durch die Dubai Marina laufen zu können – ein Gefühl von Freiheit, das in Europa leider selten geworden ist.
Der Blick nach Dubai: Mehr als nur “Null Steuern”
Die Entscheidung für Dubai ist eine Entscheidung für Souveränität.
1. Das steuerliche Umfeld
In den VAE gibt es keine Einkommensteuer auf persönlicher Ebene.
- Szenario Privatkonto: Wenn ich in Dubai lebe und mein eigenes Geld bei einem Broker handle, fällt das unter “Personal Investment”. Keine Verlustverrechnungsbeschränkung. Gewinne sind steuerfrei.
- Keine Steuerfalle: Selbst als “Contractor” für US-Prop-Firmen (Corporate Tax 9 % ab 375.000 AED) ist die Situation fair. Verlust ist Verlust. Gewinn ist Gewinn.
2. Die psychologische Befreiung
In Deutschland fühlte ich mich kriminalisiert und bevormundet. In Dubai ist die Botschaft klar: Komm her, bring dein Kapital, geh Risiken ein. Wenn du scheiterst, fängt dich niemand auf. Aber wenn du gewinnst, bestraft dich niemand dafür.
Fazit: Abstimmung mit den Füßen
Ich liebe Deutschland. Aber als Futures-Trader ist mein Kapital mein Werkzeug und meine Freiheit mein höchstes Gut. Wenn ein Staat anfängt, Erfolg zu bestrafen, politische Willkür über mathematische Logik zu stellen und Sicherheit nicht mehr garantieren kann, dann ist es Zeit zu gehen.
Die Verlustverrechnungsbeschränkung war das Signal. Die GmbH war das Pflaster. Dubai ist die Rückkehr zur Freiheit.
Disclaimer: Dieser Artikel spiegelt die Erfahrung einer fiktiven Person wider und stellt keine steuerliche Beratung dar. Konsultieren Sie vor einer Auswanderung spezialisierte Berater.









0 responses on "Flucht nach vorn: Warum Deutschland mich als Futures-Trader vertreibt – und warum Dubai die einzige logische Konsequenz ist"